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Geschichtsdaten:

Brandschutz in Großwaltersdorf vor 1931

Anläßlich unseres 75jährigen Gründungsjubiläums, das wir am Osterwochende 2006 begehen wollen, bringen wir eine kleine monatliche Reihe zur Geschichte unserer Feuerwehr als Auszug aus der Feuerwehrchronik.

Beginnen wollen wir mit dem Thema: Brandschutz in Großwaltersdorf vor 1931

Am 16.September 1837 kam es in Großwaltersdorf zu einem verheerenden Dorfbrand, bei dem nahezu das gesamte Ortszentrum vernichtet wurde. Dabei brannten innerhalb von zwei Stunden 8 Bauerngüter, 7 Wohnhäuser, Gasthof, Schule, Lehngericht, Pfarrhaus und die Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Dieses Ereignis musste wohl den Anstoß gegeben haben, einen organisierten Brandschutz auch in unserem Ort zu gewährleisten.
Bereits um 1840 gab es in der Gemeinde ein Gebäude der Feuerwehr. Ab 1850 wird dann schriftlich von Feuerwehrausrüstung berichtet. So hieß es in der Gemeinderatssitzung vom 8.Februar 1850: „Herr Spritzenfabrikant Kern aus Geringswalde bei Rochlitz lieferte nach mehreren Verhandlungen 50 Ellen = 35m Schlauchrohr zur hiesigen Feuerspritze für die Summe von 22 Thalern“. In einer weiteren Ratssitzung ist sogar von einer Reparatur der Handdruckspritze die Rede: „Am 24.Februar 1850 erschien zur Probe der hiesigen Orts-Feuerspritze, welche Herr Mechanikus Kern aus Geringswalde mit zwei Schlauchrohren neu construiert und hauptsächlich mit zwei Messinghohlkolben von demselben zur Zufriedenheit angefertigt worden sind, so werden Herrn Mechanikus Kern heute nach Beschlußnahme, dass früher vom 8.Februar abgeschlossenen Contracts mit 22 Thalern für diese Messingeren Hohlkolben nach gutbefundener abgelegten Probe bezahlt.
Gleichzeitig stellt sich heraus, dass die hiesige Spritze ganz geeignet sei zu gleicher Zeit und gleichem Druck mit zwey Rohren spritzen zu können, da nun zweyerlei Anwendung nur eine Mündung zu hiesigen Spritze vorhanden war, so beschlossen die anwesenden Gemeinderatsmitglieder, dass noch ein zweites angekauft werden sollte, welches sogleich von Herrn Kern für die Summe von 4 Thalern, 15 Groschen angekauft wurde und ebenfalls unter heutigem (24.Februar) Dato aus der hiesigen Feuergeräthscasse bezahlt. So sind Herrn Kern unter heutigem Dato mit 48 Thalern und 15 Neugroschen für 50 Ellen Schlauchrohr und zwey Messing-Hohlkolben mit Einrechnung (Verrechnung) der alten Kolben in baar bezahlt worden.“

Diese Aufzeichnungen aus dem Protokollbuch der Gemeinde lassen vermuten, dass schon seit ein paar Jahren vorher Feuerwehrtechnik im Ort bestand. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass es für die Gegenstände beachtliche acht Jahre Garantie gab.

Durch das königliche Gerichtsamt Augustusburg wurde die Gemeinde am 20.November 1866 unter Androhung von Strafe aufgefordert innerhalb von zwei Monaten Feuereimer bestehend aus Leder, Wurzel oder Hanf anzuschaffen
Weiterhin ist aus dem Jahr 1866 bekannt, dass am 26.11. der Spritzenmeister und sein Stellvertreter Anträge auf Gehaltserhöhung beim Gemeindeamt einreichten. Dem wurde ab sofort entsprochen und dem Spritzenmeister Walther fünf Thaler und seinem Stellvertreter Schneider zwei Thaler Gehalt jährlich ausgezahlt.
Der Gemeinderat beschloss am 26.11.1866 weiter: „Die zum Spritzendrücken bestimmten Personen erhalten 15 Pfennig/Stunde. Die zur Feuerwache bestimmten Personen erhalten dasselbe!“
Von 1880 ist bekannt, dass eine Pflichtspritzenmannschaft unter dem Kommando des Zigarrenfabrikanten Robert Hösel bestand.

All diese Informationen lassen darauf schließen, dass im 19.Jahrhundert der Feuerschutz voll in der Verantwortung der Gemeinden lag und für die Bürger Pflicht war. Die Verpflichteten erhielten dafür Gehalt oder wurden entlohnt. Für den Brandschutz müssen auch überörtliche Gesetze bestanden haben.

Der freiwillige Brandschutz ist in Großwaltersdorf ab 1922 nachzuweisen. Am 01.02.1922 wurde in unserem Ort eine freiwillige Spritzenmannschaft mit neun Kameraden aufgestellt. Später kamen aus der sogenannten Turner-Rettungsschar die Steiger hinzu. Sie wurden mit Seilen und Leitern ausgerüsteten und waren für die Menschenrettung zuständig. Hornisten des Martinstrompetenquintetts (Schalmeien) und Sanitäter vervollständigten die am 01.10.1930, 26 Mann starke Truppe. Kommandant war Max Wächtler, sein Stellvertreter Oskar Schreiber. Sieben Musiker gehörten zur Mannschaft ohne aktiven Dienst auszuüben.

Bis ins 20.Jahrhundert erfolgte die Alarmierung durch die Kirchenglocken, so dass der Glöckner jedes Mal in Windeseile die 118 Stufen bis zum Glockenstuhl erklimmen musste. Bei Feuer im Ort wurden alle drei Glocken angeschlagen, außerhalb nur die große Glocke. Zu dieser Zeitverzögerung kam noch das Einspannen der Pferde vor die Handdruckspritze und die geringe Geschwindigkeit des Gespanns. Jeder kann sich wohl denken, dass man sich damals oft nur auf die Schadensausbreitungsverhinderung und die Restablöschung konzentrieren konnte.

Leider besitzen wir bis 1930 keine feuerwehreigenen Aufzeichnungen und nur sehr wenig Bilddokumente, so dass alle Angaben aus der Dorfchronik und von überlieferten Augenzeugenberichten sowie den wenigen Bilddokumenten hergeleitet werden mussten. Deshalb kann für die Richtigkeit der Aussagen nicht immer garantiert werden.
Erst ab 1930 besitzen wir die Protokollbücher der Kommando-, Ausschuss- und Hauptversammlungen.

Thema Dezember: Gründung der FF Großwaltersdorf 1931

Eines der wenigen Bilddokumente aus der Zeit vor 1931:


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